Praxis
Das eigene Wettbuch: Spalten, Kennzahlen und wann die Zahlen etwas bedeuten
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Ohne Aufzeichnung bleibt nur das Gefühl, ob es gut läuft. Ein sauber geführtes Wettbuch zeigt, wo Gewinne und Verluste entstehen – und mit einer einfachen Rechnung auch, ob die Zahlen schon belastbar sind.

Inhalt (8)
Fast jeder Wettende hat eine Vorstellung davon, wie gut er ist. Diese Vorstellung beruht meist auf den Wetten, an die man sich erinnert: der späte Treffer zur Über-Wette, die knapp verlorene Kombi. Ein Wettbuch ersetzt dieses Gedächtnis durch Zahlen.
Der Aufwand ist gering, eine Tabellenkalkulation reicht. Entscheidend ist, dass jede Wette erfasst wird, auch die ärgerlichen. Wer nur Gewinne notiert oder Spaßwetten weglässt, misst nicht seine Leistung, sondern seine Laune.
Welche Spalten ein Wettbuch braucht
Die folgenden Spalten decken alles ab, was für die spätere Auswertung nötig ist. Die ersten acht sind Pflicht, die übrigen machen die Analyse deutlich aussagekräftiger.
- Datum der Wettabgabe (nicht des Spiels)
- Sportart und Wettbewerb, etwa Bundesliga oder ATP-Turnier
- Markt: 1X2, Über/Unter, Asian Handicap, Spieler-Wette und so weiter
- Tipp im Wortlaut
- Quote zum Zeitpunkt der Abgabe, als Dezimalquote
- Einsatz in Euro
- Ergebnis: gewonnen, verloren, zurückerstattet, halb gewonnen
- Gewinn/Verlust in Euro, netto nach allen Abzügen
- Schlussquote kurz vor Anpfiff, um den Closing Line Value zu messen
- Steuer bzw. Abzug, falls der Anbieter die Wettsteuer gesondert ausweist
- Anbieter und eine kurze Begründung für die Wette
Die Wettsteuer gehört ins Buch
In Deutschland beträgt die Sportwettensteuer nach § 18 Rennwett- und Lotteriegesetz 5,3 Prozent der Bemessungsgrundlage. Diese ist laut § 17 RennwLottG der geleistete Wetteinsatz abzüglich der Sportwettensteuer; zurückgezahlte Einsätze, etwa bei einem abgesagten Spiel, mindern sie. Ob und wie ein Anbieter die Steuer an Kunden weitergibt, regeln seine Geschäftsbedingungen. Für das Wettbuch zählt nur: Tragen Sie den Betrag ein, der tatsächlich auf dem Konto ankommt, sonst ist jeder Yield zu hoch. Zur privaten Einkommensteuer auf Gewinne finden Sie Hinweise im Beitrag Sportwetten-Gewinne und Steuererklärung.
ROI, Yield und Trefferquote: drei verschiedene Fragen
Die drei Kennzahlen werden oft durcheinandergeworfen. Sie beantworten aber unterschiedliche Fragen.
- Yield = Gewinn ÷ Summe aller Einsätze. Er misst, wie viel jeder eingesetzte Euro im Schnitt bringt. Der Statistiker Joseph Buchdahl beschreibt den Yield auf football-data.co.uk als profit over turnover , also Gewinn im Verhältnis zum Umsatz.
- ROI (Return on Investment) wird in Wettforen häufig gleichbedeutend mit Yield verwendet. Sauberer ist es, ROI auf das eingesetzte Kapital zu beziehen: Gewinn ÷ Startbankroll. Rechenbeispiel: Wer mit 1.000 € Bankroll im Jahr 15.000 € umsetzt und dabei 2 % Yield erzielt, gewinnt 300 € – ein ROI von 30 % auf das Kapital.
- Trefferquote = gewonnene Wetten ÷ alle Wetten. Ohne Bezug zur Quote ist sie wertlos.
Buchdahl zeigt das an einem Tippgeber, der mit 66 % Treffern warb. Bei einer Durchschnittsquote von etwa 1,66 entsprach das nur rund 10 % Yield. Die Rechnung dahinter: Die Gewinnschwelle liegt bei einer Trefferquote von 1 ÷ Durchschnittsquote. Bei Quote 1,66 sind das 60,2 %, bei Quote 2,50 nur 40 %. Wer bei Quote 2,50 zu 45 % trifft, steht besser da als jemand mit 62 % bei 1,66.
Beispiel: zwölf Wetten im Wettbuch
Die folgende Tabelle ist ein fiktives Beispiel mit einheitlichem Einsatz von 10 €. Alle Werte sind mit Python nachgerechnet.
| Nr. | Markt | Quote | Einsatz | Ergebnis | Gewinn/Verlust |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 1X2 | 2,10 | 10 € | gewonnen | +11,00 € |
| 2 | Über/Unter | 1,85 | 10 € | verloren | −10,00 € |
| 3 | Asian Handicap | 1,95 | 10 € | gewonnen | +9,50 € |
| 4 | 1X2 | 3,40 | 10 € | verloren | −10,00 € |
| 5 | Über/Unter | 1,90 | 10 € | gewonnen | +9,00 € |
| 6 | Asian Handicap | 2,02 | 10 € | verloren | −10,00 € |
| 7 | 1X2 | 1,75 | 10 € | gewonnen | +7,50 € |
| 8 | Über/Unter | 2,05 | 10 € | gewonnen | +10,50 € |
| 9 | 1X2 | 2,60 | 10 € | verloren | −10,00 € |
| 10 | Asian Handicap | 1,88 | 10 € | gewonnen | +8,80 € |
| 11 | Über/Unter | 1,80 | 10 € | verloren | −10,00 € |
| 12 | 1X2 | 2,30 | 10 € | gewonnen | +13,00 € |
Die Auswertung des Beispiels:
- Gesamteinsatz 120 €, Gewinn +19,30 €, also Yield 16,1 %
- 7 von 12 Wetten gewonnen, Trefferquote 58,3 %
- Durchschnittsquote 2,13, Gewinnschwelle damit bei 46,9 % Treffern
- Bei einer Startbankroll von 200 € entspricht der Gewinn einem ROI von 9,65 % auf das Kapital
Auswertung nach Märkten
Der eigentliche Nutzen eines Wettbuchs liegt in der Aufteilung. Dieselben zwölf Wetten, gruppiert nach Markt:
| Markt | Wetten | Einsatz | Gewinn/Verlust | Yield | Ø Quote |
|---|---|---|---|---|---|
| 1X2 | 5 | 50 € | +11,50 € | +23,0 % | 2,43 |
| Asian Handicap | 3 | 30 € | +8,30 € | +27,7 % | 1,95 |
| Über/Unter | 4 | 40 € | −0,50 € | −1,3 % | 1,90 |
Die Versuchung ist groß, sofort mehr Handicap-Wetten zu spielen und Über/Unter zu streichen. Genau das wäre bei drei bis fünf Wetten je Markt ein Fehler. Die Aufteilung ist ein Werkzeug für Hypothesen, die man über Hunderte Wetten prüft – etwa ob die eigene Handicap-Strategie wirklich trägt. Ebenso aufschlussreich sind Gruppen nach Liga, Quotenbereich, Wochentag oder Einsatzhöhe.
Varianz: warum zwölf Wetten fast nichts beweisen
Jede Wette ist ein Zufallsexperiment. Für eine Einzelwette mit Einsatz 1 zur Dezimalquote o und einem wahren erwarteten Yield y gilt die Standardabweichung der Rendite (selbst hergeleitet aus der Binomialverteilung):
σ = √((1 + y) × (o − 1 − y))
Über n Wetten mit gleichem Einsatz schrumpft die Standardabweichung des Yield auf σ ÷ √n. Daraus folgt die Teststatistik t = y ÷ (σ ÷ √n). Ein t-Wert um 2,33 entspricht einseitig etwa 1 % Irrtumswahrscheinlichkeit, 1,645 etwa 5 %.
Auf das Beispiel angewendet: Mit y = 0,161, o = 2,13 und n = 12 liegt die Standardabweichung des Yield bei rund 30,7 Prozentpunkten. Der t-Wert beträgt 0,52; ein solches Ergebnis hätte auch ohne jeden Vorteil in etwa 30 % der Fälle entstehen können. Ein grobes 95-%-Band reicht von rund −44 % bis +76 % Yield. Mit anderen Worten: Die zwölf Wetten sagen über die Fähigkeit nichts aus.
Wie viele Wetten bis zur belastbaren Aussage
Stellt man die Formel nach n um, ergibt sich n = (t × σ ÷ y)². Die folgende Tabelle ist selbst gerechnet und gilt für gleiche Einsätze:
| angenommener Yield | Quote | Wetten für ca. 5 % Irrtum | Wetten für ca. 1 % Irrtum |
|---|---|---|---|
| 10 % | 1,66 | 167 | 334 |
| 10 % | 2,00 | 268 | 536 |
| 5 % | 1,90 | 967 | 1.932 |
| 5 % | 2,00 | 1.080 | 2.159 |
| 5 % | 3,00 | 2.217 | 4.432 |
| 3 % | 2,00 | 3.004 | 6.007 |
| 5 % | 5,00 | 4.490 | 8.976 |
Die Rechnung deckt sich mit den Werten, die Buchdahl veröffentlicht hat: Für 10 % Yield aus 200 Wetten bei Quote 1,66 nennt er eine Irrtumswahrscheinlichkeit von 3,7 %; unsere Formel ergibt 3,6 %. Bei 10 % Yield auf Gerade-Quoten (2,0) braucht es nach seiner Angabe etwa 540 Wetten, bevor man Zufall mit seinem bevorzugten Maßstab von 99 % ausschließen kann – die Tabelle kommt auf 536.
Zwei Muster fallen auf. Höhere Quoten verlangen deutlich mehr Wetten, weil der Zufall bei Außenseitern stärker streut. Und realistische, kleine Vorteile von 3 bis 5 % lassen sich erst nach Tausenden Wetten von Glück trennen.
Ein Blick in die Forschung
Wie hoch die Hürde sein kann, zeigt eine Studie von Browne, Rockloff, Blaszczynski, Allcock und Windross im Journal of Gambling Studies (2015). Für australische Pferdewetten kamen die Autoren per Monte-Carlo-Simulation zu dem Ergebnis, dass ein Wettender über 10.000 Wetten mit einer Nettorendite von mehr als 9 % bräuchte, um bei einem Signifikanzniveau von 5 % als Experte zu gelten. Pferderennen mit vielen Startern sind ein Extremfall, das Prinzip gilt aber für jede Wettart.
Wie Sie das Wettbuch im Alltag nutzen
- Sofort eintragen: direkt nach der Abgabe, nicht am Monatsende aus dem Gedächtnis.
- Einheitliche Einsätze bevorzugen oder Einsätze in Einheiten der Bankroll notieren; das macht die Statistik vergleichbar. Mehr dazu im Ratgeber zum Money Management.
- Schlussquote erfassen: Sie liefert nach wenigen Hundert Wetten ein schnelleres Signal als der Yield.
- Monatlich auswerten, vierteljährlich entscheiden: Kennzahlen ansehen, aber Strategieänderungen erst bei ausreichender Stichprobe treffen.
- Limits mitführen: Ein Wettbuch zeigt auch, wie viel Geld und Zeit in Wetten fließt. Steigen Einsätze ungeplant, ist das ein Warnsignal unabhängig vom Ergebnis.
Typische Fehler beim Führen
Der häufigste Fehler ist die nachträgliche Auswahl: Kombiwetten zählen nicht , Live-Wetten werden separat geführt und dann vergessen, ein gesperrtes Konto taucht nicht mehr auf. Jede dieser Lücken verschiebt den Yield, meist nach oben. Ein zweiter Fehler sind Quoten aus dem Gedächtnis statt vom Wettschein; schon eine Abweichung von 0,05 je Wette verfälscht bei kleinen Vorteilen das Ergebnis spürbar.
Drittens werden Teilauszahlungen per Cash-out oft als eigener Gewinn gebucht. Richtig ist: Einsatz bleibt Einsatz, die Auszahlung ersetzt nur die ursprünglich mögliche Rückzahlung. Und viertens fehlt bei Asian-Handicap-Wetten häufig der Status halb gewonnen oder halb verloren ; ohne ihn stimmt die Trefferquote nicht.
Kurz zusammengefasst
Ein Wettbuch braucht wenige Spalten, muss aber lückenlos sein. Yield misst den Ertrag je eingesetztem Euro, ROI den Ertrag auf das Kapital, und die Trefferquote ergibt nur zusammen mit der Durchschnittsquote einen Sinn. Netto-Beträge nach Steuer gehören in jede Zeile.
Die wichtigste Erkenntnis liefert die Varianzrechnung: Bei realistischen Vorteilen trennen erst Tausende Wetten Können von Glück. Wer das akzeptiert, bewertet einen guten Monat gelassener – und einen schlechten ebenso. Sportwetten sind ab 18 Jahren erlaubt; wetten Sie nur mit Geld, dessen Verlust Sie verkraften können.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen ROI und Yield bei Sportwetten?
Yield ist der Gewinn geteilt durch die Summe aller Einsätze. ROI wird oft gleichbedeutend verwendet, bezieht sich genau genommen aber auf das eingesetzte Kapital, also die Bankroll.
Ist eine Trefferquote von 60 % gut?
Das hängt von der Durchschnittsquote ab. Die Gewinnschwelle liegt bei 1 geteilt durch die Durchschnittsquote; bei Quote 1,66 sind das bereits 60,2 %.
Wie viele Wetten brauche ich, um zu wissen, ob ich profitabel bin?
Bei 5 % Yield auf Quote 2,0 ergibt die Rechnung mit der Standardabweichung grob 1.000 Wetten für 5 % und gut 2.000 für 1 % Irrtumswahrscheinlichkeit. Bei höheren Quoten sind es deutlich mehr.
Gehört die Wettsteuer ins Wettbuch?
Ja. Tragen Sie den Netto-Betrag ein, der tatsächlich gutgeschrieben wird. Die Sportwettensteuer beträgt nach § 18 RennwLottG 5,3 Prozent der Bemessungsgrundlage.
Warum sollte ich die Schlussquote notieren?
Sie zeigt, ob Sie regelmäßig bessere Kurse bekommen als der Markt kurz vor Anpfiff. Das ist ein früheres Signal als der Yield, siehe Closing Line Value.
Quellen
So vergleichen wirWerbelinks sind als «Zum Anbieter» gekennzeichnet.18+GGL-WhitelistBeratung 0800 1 37 27 00
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