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Wettregeln

Spieler gibt auf: Wie Buchmacher Tenniswetten bei Aufgabe abrechnen

Veröffentlicht am · Aktualisiert am

Ein Spieler humpelt vom Platz, der Gegner zieht in die nächste Runde ein – und Ihre Wette wird je nach Anbieter gewonnen, verloren oder storniert. Welche Regelmodelle es gibt und wie sie sich auf Satz-, Spiel- und Kombiwetten auswirken.

Verlassener Tennisplatz in der Abenddämmerung, ein Schläger und ein Handtuch liegen an der Grundlinie
Inhalt (10)
  1. Aufgabe, Disqualifikation, Walkover: drei verschiedene Fälle
  2. Vier Regelmodelle für die Siegwette
  3. Die Modelle im Vergleich
  4. Was mit Satz-, Spiel- und Handicapwetten passiert
  5. Folgen für Kombiwetten
  6. Warum das Regelmodell den Wert einer Quote verändert
  7. Livewetten und Spielunterbrechungen
  8. So prüfen Sie die Regel vor der Wette
  9. Kurz zusammengefasst
  10. Häufige Fragen

Im Tennis gibt es kein Unentschieden und keine feste Spielzeit. Ein Match endet, wenn ein Spieler die nötigen Sätze gewonnen hat – oder wenn einer nicht mehr weiterspielen kann. Genau dieser zweite Fall ist für Wettende heikel, denn das Turnier kennt dann einen Sieger, die Wette aber nicht unbedingt.

Wie häufig das vorkommt, hat eine Studie des Imperial College London ausgewertet: Zwischen 2000 und 2009 endete laut Cutmore und Knottenbelt rund 3,9 % der Grand-Slam-Einzel der Männer mit einer Aufgabe. Wer regelmäßig auf Tennis wettet, trifft also früher oder später auf diesen Fall. Die Abrechnung hängt dann allein von den Wettregeln des jeweiligen Anbieters ab.

Aufgabe, Disqualifikation, Walkover: drei verschiedene Fälle

Sportlich werden drei Situationen unterschieden, die Buchmacher teils gleich, teils unterschiedlich behandeln:

  • Aufgabe (Retirement): Ein Spieler bricht das laufende Match ab, meist wegen einer Verletzung oder Krankheit. Der Gegner gewinnt und zieht in die nächste Runde ein.
  • Disqualifikation (Default): Der Schiedsrichter oder Supervisor schließt einen Spieler aus, etwa nach wiederholten Verstößen gegen den Verhaltenskodex. Auch hier rückt der Gegner vor.
  • Walkover: Ein Spieler tritt gar nicht erst an. Es wird kein einziger Ballwechsel gespielt.

Der Walkover ist der einfachste Fall. Bei Pinnacle etwa heißt es in den allgemeinen Regeln, dass bei Begegnungen mit Forfait oder Walkover, die als beendet gelten, ohne gespielt worden zu sein, alle Wetten storniert werden – unabhängig davon, wie der Verband das Ergebnis wertet. Auch eine Übersicht von Action Network bezeichnet die Stornierung beim Walkover als nahezu universelle Regel. Schwierig wird es erst, wenn das Match begonnen hat.

Disqualifikationen werden in vielen Regelwerken wie Aufgaben behandelt. Pinnacle nennt beide Fälle ausdrücklich in derselben Regel, und auch das Regelwerk von Betfair fasst Rückzug und Disqualifikation zusammen. Wer also wissen will, was bei einem Ausschluss passiert, findet die Antwort meist unter dem Stichwort Aufgabe.

Vier Regelmodelle für die Siegwette

Cutmore und Knottenbelt teilen die Abrechnungspraxis für den Siegermarkt in vier Kategorien ein. Diese Einteilung ist bis heute brauchbar, auch wenn sich die Zuordnung einzelner Anbieter seit 2013 geändert haben kann.

Modell 1: Ein Ball gespielt

Die Wette gilt, sobald der erste Aufschlag gespielt wurde. Gibt ein Spieler danach auf, wird der Spieler, der weiterkommt, als Sieger gewertet. Für Sie heißt das: Wer auf den aufgebenden Spieler gesetzt hat, verliert, wer auf den Gegner gesetzt hat, gewinnt – auch wenn nur drei Spiele gespielt wurden. Die Studie nennt 2013 Ladbrokes als Beispiel. Eine Übersicht des Portals Wettbasis vom September 2023 ordnet bwin dieser Gruppe zu und bezeichnet den Anbieter als große Ausnahme unter den deutschsprachigen Buchmachern.

Modell 2: Ein Satz beendet

Die Siegwette steht, wenn mindestens ein Satz vollständig gespielt wurde. Gibt ein Spieler im ersten Satz auf, wird storniert und der Einsatz erstattet. Pinnacle formuliert das in seinen aktuellen Tennisregeln so: Bei Aufgabe oder Disqualifikation haben Wetten auf den Siegermarkt Bestand, solange ein Satz abgeschlossen wurde, andernfalls werden sie storniert. Wettbasis nannte 2023 Sportingbet, Bet3000 und Oddset als Anbieter mit diesem Modell. Auch Betfair rechnet nach seinem Regelwerk den Spieler, der in die nächste Runde einzieht, als Sieger ab, sofern zum Zeitpunkt der Aufgabe genug gespielt wurde; die Studie ordnet den Siegermarkt der Börse der Ein-Satz-Regel zu.

Modell 3: Zwei Sätze beendet

Eine strengere Variante verlangt zwei vollständige Sätze. Sie war laut Studie seltener; als Beispiel wird dort der Anbieter TheGreek genannt. Im deutschen Markt spielt dieses Modell nach den vorliegenden Übersichten keine nennenswerte Rolle.

Modell 4: Ganzes Match

Die Siegwette gilt nur, wenn das Match regulär zu Ende gespielt wird. Jede Aufgabe, egal bei welchem Spielstand, führt zur Stornierung. Die Studie nennt Paddy Power als Beispiel. Laut Wettbasis (Stand 2023) arbeiten in Deutschland viele Anbieter so, darunter Bet365, Tipico, Interwetten, Bet-at-home, Betway, Betano und Tipwin. Für Wettende ist dieses Modell am berechenbarsten: Ein verletzungsbedingter Abbruch kostet weder Gewinn noch Verlust, sondern führt einfach zur Rückzahlung.

Die Modelle im Vergleich

Die folgende Tabelle fasst die Varianten mit den belegten Beispielen zusammen. Die Zuordnung einzelner Anbieter kann sich ändern; maßgeblich ist immer das aktuelle Regelwerk zum Zeitpunkt Ihrer Wette.

ModellSiegwette gilt, wenn …Aufgabe davorBelegtes Beispiel
Ball gespieltder erste Aufschlag gespielt wurdenur Walkover: storniertLadbrokes (Studie 2013), bwin (Wettbasis 2023)
Ein Satzein Satz vollständig gespielt wurdestorniertPinnacle (aktuelle Regeln), Betfair (Studie 2013), Sportingbet, Bet3000, Oddset (Wettbasis 2023)
Zwei Sätzezwei Sätze vollständig gespielt wurdenstorniertTheGreek (Studie 2013)
Ganzes Matchdas Match regulär beendet wurdestorniertPaddy Power (Studie 2013), Bet365, Tipico, Interwetten u. a. (Wettbasis 2023)

Dass es keinen Branchenstandard gibt, zeigt auch der US-Markt. Action Network listet im Mai 2026 für FanDuel und BetMGM die Ein-Satz-Regel, für Caesars das ganze Match und für DraftKings eine gemischte Lösung: ein Satz bei ATP-Turnieren, ganzes Match bei WTA-Turnieren.

Was mit Satz-, Spiel- und Handicapwetten passiert

Die vier Modelle betreffen nur den Siegermarkt. Für alle anderen Märkte gilt ein anderer Grundsatz: Eine Wette bleibt bestehen, wenn ihr Ergebnis bei der Aufgabe bereits feststeht, sonst wird sie storniert. Pinnacle schreibt dazu, dass Wetten auf andere Märkte nichtig sind, sofern der betreffende Abschnitt nicht vor der Aufgabe vollständig gespielt wurde. Betfair formuliert ähnlich: Eine Aufgabe während eines Spiels oder Satzes macht Wetten auf diesen Abschnitt nichtig, außer auf Märkte, deren Ergebnis bereits unbedingt feststeht.

In der Praxis bedeutet das:

  • Wette auf den Gewinner des ersten Satzes: Gibt der Spieler im zweiten Satz auf, ist der erste Satz entschieden – die Wette wird normal abgerechnet.
  • Satzwette auf das genaue Ergebnis (etwa 2:1): Ohne beendetes Match gibt es kein Endergebnis in Sätzen. Diese Wetten werden bei Aufgabe in aller Regel storniert. Die Studie hält fest, dass der Satzwetten-Markt der Börse bei einer Aufgabe immer storniert wird.
  • Über/Unter Spiele: Wurde die Linie schon überschritten, steht das Ergebnis fest. Eine Über-Wette auf 20,5 Spiele ist bei 21 gespielten Spielen gewonnen, egal was danach passiert. Eine Unter-Wette ist dann verloren. Liegt die Zahl noch darunter, ist der Ausgang offen, und die Wette wird storniert.
  • Spiel-Handicap: Ein Handicap setzt ein vollständiges Match voraus, weil erst am Ende die Differenz feststeht. Diese Wetten werden üblicherweise storniert; Wettbasis weist allerdings darauf hin, dass Handicap- und Über/Unter-Wetten je nach Anbieter unterschiedlich behandelt werden.
  • Livewette auf das nächste Spiel: Wird das laufende Spiel nicht beendet, ist die Wette offen und wird storniert.

Die Logik dahinter: Der Buchmacher soll niemanden für ein Ergebnis bezahlen oder bestrafen, das es nie gegeben hat. Wo der Ausgang aber schon vor der Aufgabe sicher war, gibt es keinen Grund, ihn zu ignorieren.

Folgen für Kombiwetten

In einer Kombiwette wird eine stornierte Auswahl nicht als verloren gewertet, sondern mit Quote 1,0 aus der Rechnung genommen. Die Kombi läuft mit den übrigen Tipps weiter, nur die Gesamtquote sinkt. Wie stark, können Sie mit dem Kombiwetten-Rechner nachvollziehen.

Rechenbeispiel: Sie setzen 10 € auf eine Dreierkombi mit einem Fußballtipp zu 1,80, einem Tennistipp zu 2,10 und einem Basketballtipp zu 1,50. Die Gesamtquote beträgt 1,80 × 2,10 × 1,50 = 5,67, der mögliche Gewinn 56,70 €. Der Tennisspieler, auf den Sie gesetzt haben, gibt im zweiten Satz auf. Fußball und Basketball gehen auf.

Modell des AnbietersTennistippGesamtquoteAuszahlung
Ganzes Matchstorniert (1,0)1,80 × 1,50 = 2,7027,00 €
Ein Satz (erster Satz war beendet)verloren–0 €
Ball gespieltverloren–0 €

Hätten Sie auf den Gegner gesetzt, sähe es umgekehrt aus: Beim Modell ganzes Match bekämen Sie wieder 27,00 €, bei den beiden anderen Modellen den vollen Kombigewinn von 56,70 €. Dieselbe Verletzung kann also je nach Regelwerk zwischen null und dem vollen Gewinn alles bedeuten. Beträge ohne Abzug der Wettsteuer; ob und wie der Anbieter diese weitergibt, regeln dessen Bedingungen.

Warum das Regelmodell den Wert einer Quote verändert

Die Abrechnungsregel ist keine Formalie, sondern steckt im Preis. Cutmore und Knottenbelt zeigen, dass ein Siegermarkt mit Ein-Satz-Regel das Aufgaberisiko einpreisen muss, während ein Markt, der erst mit dem Match-Ende abrechnet, dieses Risiko ignorieren kann. Als Beispiel beschreiben sie eine Partie von Andy Murray bei den French Open 2011: Nach einer Verletzung fiel seine Siegwahrscheinlichkeit im Siegermarkt der Börse deutlich stärker als im Satzwetten-Markt, weil nur der erste Markt bei einer Aufgabe den Gegner auszahlt.

Für Ihre Praxis heißt das: Bei einem Spieler mit bekannter Verletzungsvorgeschichte ist eine Quote beim Anbieter mit Ein-Ball- oder Ein-Satz-Regel nicht mit derselben Quote bei einem Anbieter mit Ganzes-Match-Regel vergleichbar. Im ersten Fall tragen Sie das Aufgaberisiko mit, im zweiten nicht. Wer Quoten vergleicht, sollte deshalb auch die Regeln vergleichen. Mehr zur Einschätzung von Form und Belastung finden Sie in unserer Tennis-Strategie.

Livewetten und Spielunterbrechungen

Bei Livewetten verschärft sich das Problem, weil Sie oft gerade dann wetten, wenn ein Spieler sichtbar Probleme hat, etwa nach einer medizinischen Auszeit. Wer in diesem Moment auf den Gegner setzt, gewinnt beim Ball- oder Satzmodell, wenn der Spieler aufgibt. Beim Modell ganzes Match bekommt er nur seinen Einsatz zurück. Die Livequote spiegelt das Risiko oft schon wider.

Von der Aufgabe zu unterscheiden ist die Unterbrechung, etwa durch Regen oder Dunkelheit. Wird ein Match am Folgetag fortgesetzt, ist es nicht aufgegeben, sondern nur verschoben. Wie lange ein Anbieter wartet, bevor er storniert, regeln die allgemeinen Bestimmungen; bei Pinnacle beträgt die allgemeine Frist 30 Stunden ab dem offiziell geplanten Beginn. Mehr dazu in unserem Beitrag zum Spielabbruch bei Sportwetten und zu den Wertungszeiträumen anderer Sportarten unter reguläre Spielzeit und Verlängerung.

So prüfen Sie die Regel vor der Wette

  1. Öffnen Sie die Wettregeln oder AGB des Anbieters und suchen Sie den Abschnitt Tennis. Die Stichworte lauten Aufgabe, Retirement, Disqualifikation oder Walkover.
  2. Notieren Sie, welches der vier Modelle für den Siegermarkt gilt und ob es Ausnahmen für bestimmte Turniere gibt.
  3. Prüfen Sie getrennt die Regel für Satz-, Spiel- und Handicapmärkte. Sie weicht fast immer von der Siegwette ab.
  4. Achten Sie bei Doppelkonkurrenzen und Matches mit verkürztem Format (Match-Tiebreak, Pro-Satz) auf Sonderregeln. Pinnacle etwa wertet bei einem Pro-Satz nur bestimmte Märkte.
  5. Kontrollieren Sie in der Kombiwette, wie stark die Quote sinken würde, wenn der Tennistipp storniert wird.

Nutzen Sie dafür ausschließlich Anbieter mit deutscher Erlaubnis; welche das sind, zeigt die amtliche Whitelist der GGL und unser Wettanbieter-Vergleich.

Kurz zusammengefasst

Eine Aufgabe im Tennis ist sportlich ein Sieg für den Gegner, wettrechtlich aber Auslegungssache. Vier Modelle sind verbreitet: ein Ball, ein Satz, zwei Sätze oder das ganze Match müssen gespielt sein, damit die Siegwette zählt. Satz- und Spielwetten bleiben in der Regel nur bestehen, wenn ihr Ergebnis bereits feststand. In der Kombiwette wird eine Stornierung mit Quote 1,0 gewertet. Wer das Modell seines Anbieters kennt, kann Quoten realistischer vergleichen und erlebt nach einer Verletzungspause keine Überraschung.

Häufige Fragen

Wird meine Tenniswette bei Aufgabe immer storniert?

Nein. Das hängt vom Regelmodell des Anbieters ab. Bei der Regel «ganzes Match» wird storniert, bei den Regeln «ein Ball» oder «ein Satz» gewinnt der Spieler, der weiterkommt.

Was passiert bei einem Walkover?

Tritt ein Spieler gar nicht an, werden die Wetten praktisch überall storniert und der Einsatz erstattet, weil kein Ballwechsel stattgefunden hat.

Bleibt meine Wette auf den ersten Satz bestehen, wenn im zweiten Satz aufgegeben wird?

In der Regel ja, denn das Ergebnis des ersten Satzes stand vor der Aufgabe fest. Wetten auf das genaue Satzergebnis des Matches werden dagegen meist storniert.

Wie wirkt sich eine Stornierung auf meine Kombiwette aus?

Die stornierte Auswahl zählt mit Quote 1,0, die übrigen Tipps laufen weiter. Die Gesamtquote und damit der mögliche Gewinn sinken entsprechend.

Werden Disqualifikationen wie Aufgaben behandelt?

In vielen Regelwerken ja, etwa bei Pinnacle und Betfair. Prüfen Sie trotzdem den Tennisabschnitt der Wettregeln Ihres Anbieters.

Quellen

  1. Cutmore, Knottenbelt: Quantitative Models for Retirement Risk in Professional Tennis (Imperial College London, 2013)
  2. Pinnacle: Betting Rules (Tennis, allgemeine Regeln)
  3. Betfair: Rules and Regulations (Tennis)
  4. Wettbasis: Wie wird eine Tennis-Wette bei Aufgabe, Walkover und Disqualifikation gewertet? (September 2023)
  5. Action Network: Tennis betting rules – player retires, rain, weather delay (Mai 2026)

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